9. Rungholttage

Die 9. Rungholttage 2016 begannen mit einer ausverkauften Veranstaltung in der Kurverwaltung auf Nordstrand. Offiziell eröffnet wurde sie durch den stellvertretenden Bürgermeister Jörg Bahnsen. Nach einem Grußwort vom HGV Vorsitzenden Jürgen Pöthau führte Dr. Uwe Haupenthal vom NordseeMuseum in das Thema Rungholt ein. Er wies auf die Verdienste von Jürgen Newig um die Rungholtforschung hin. Ihm wurde mit einer Schweigeminute gedacht. Er unterstrich, dass die Rungholter Kirche eine Kollegiatskirche war, die aber keinen Kirchturm gehabt hat. Er konnte auch von den Ergebnissen der Datierung Schädelknochen berichten. Sie bestimmen den Schädel auf den Zeitraum von 1230-1280, damit sind die Knochen ein Hinweis auf das Jahr 1362 als Untergangszeitraum.

Dr. Uwe Haupenthal

Manfred-Guido Schmitz und Wolf-Dieter Dey berichteten, dass die Chronik von Heimrich, sowie Liliencron und Möllenhof Grundlage des Rungholtromans von Johannes Dose waren. Dose lässt in diesem Roman den 150 Jahre nach Rungholts Untergang lebenden Piraten Kort Widerich auftreten. Bei einer Auflage von 20.000 Exemplaren vermutet Schmitz, hat Andreas Busch den Roman möglicherweise gekannt. Dose legt sein Rungholt zwischen St. Peter und Pellworm, ziemlich genau da, wo es tatsächlich liegt.

Manfred-Guido Schmitz

Der Samstag fand in Halligblick statt und startete mit Hans-Kurt Siem, der seine Bodenkarte von Südfall erklärte. Ob die gefundenen Linien im Wattboden Gräben oder Deiche waren, könne er nicht bestimmen, alter Schilftorf lässt sich nicht von neuem unterschieden. Pflugspuren konnte er nicht nachweisen, aber er ist sicher, dass über Generationen hinweg dort Viehwirtschaft betrieben wurde. Den Beweis für die Existenz von Rungholt konnte er nicht liefern aber er bestätigte, dass um Südfall etwas passiert ist, was nicht die Natur gemacht hat.

Hans-Kurt Siem


30 Jahre Nationalpark war das Thema von Anne Segebade. Das Landesamt betreibt 30 Informationseinrichtungen in Nordfriesland, davon 12 Häuser mit dem Zentrum Multimar. 16 hauptamtliche Ranger und 40 Seehundjäger arbeiten für den Nationalpark, neben zahlreichen Ehrenamtlichen und den Partnereinrichtungen. Insgesamt 4.700 Arbeitsplätze hängen direkt oder indirekt vom Nationalpark ab. Sie machte den Besuchern klar, dass unser Wattenmeer ohne Nationalpark unter gravierendem Verwertungsdruck durch die Energiewirtschaft geraten wäre und wir es heute nicht wieder erkennen würden.

Anne Segebade


Anschließend besuchte Uwe Sönnichsen, auf Sylt liebevoll „Mr. Sturmflut“ genannt, extra für den Vortrag von Prof. Dr. Thomas Steensen, die Rungholttage. Von 1952 bis 2015 hielt der Buchautor und Journalist seine berühmten Vorträge.

Uwe Sönichsen


Die Einwanderung der Friesen nach Nordfriesland begann verstärkt um 700 n. Chr., im Zusammenhang mit dem einzigen einheitlichen Königreich der Friesen um den sagenumwobenen König Redbad. 200 Jahre lang war Nordfriesland nur dünn besiedelt, da die ursprüngliche Bevölkerung abgewandert war. Heute ist das Gemeinsame der Friesen die Vielfalt, welche auch durch die friesischen Sprachen zum Ausdruck kommt. Prof. Dr. Steensen betonte, dass das Wattenmeer untergegangenes Kulturland ist und damit eigentlich zum Weltkulturerbe gehört.

Prof. Dr. Steensen


Anschließend wurden Prof. Dr. Thomas Steensen und Wolf-Dieter Dey für ihre Verdienste um die Erforschung und der Erhalt der Kulturspuren mit dem Siegel von Rungholt ausgezeichnet. Erläutert wurden diese durch die Laudatoren Hans-Harro Hansen und Albert Panten.

Panten , Steensen, Pöthau, Dey, Hansen


Albert Panten berichtete am Abend über den Fortgang seiner Arbeit über die Kartierung der Landschaft Strand vor 1362. Der Literaturkritiker Johannes Moller suchte schon 1699 in Kopenhagen vergeblich nach den Quellen der historisierenden Karten von Johannes Mejer. Der hatte nur die Brunsche Liste und den Catalogus vestus als Grundlage für seine Karten. Mejer machte nicht viel Aufhebens um Schreib- und Übertragungsfehler und hatte häufig aus einem Ort zwei gemacht, nur weil sie unterschiedlich geschrieben wurden. Albert Panten arbeitet diese Schreibweisen auf und konnte zahlreiche Orte der Edomsharde identifizieren.

Albert Panten


Für die Rungholtforschung von enormer Bedeutung war seine Verortung der Siedlung Vedderingeryp oder Fedderingmann am ehemaligen Norderneukoog bei Pellworm. Grundlage dafür sind Gerichtsakten über einen Deichstreit, denn der Deich ließ sich zweifelsfrei zuordnen. Bisher vermutete man diese Siedlung in der Nähe von Südfall.

Am Sonntag verhinderte ein heftiges Gewitter die Wattwanderung nach Rungholt. Einige Teilnehmer waren vergeblich aus Hamburg angereist. Auch die Deichwanderung der Schutzstation Wattenmeer fiel dem schlechten Wetter zum Opfer.

Gewitter in der Nacht zum Sonntag


Der HGV Vorsitzende Jürgen Pöthau war zufrieden und plant schon 2017: „Im nächsten Jahr haben die Rungholttage und die Nordstrander Musiktage gemeinsam 10jähriges Jubiläum, das muß gefeiert werden.“

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