Wolf-Dieter Dey

Rungholttage 2015

Bürgermeister Paulsen

Bürgermeister Paulsen

Freitag

Der erste Tag der Rungholttage stand im Zeichen des Inselmuseums von Nordstrand. Museumsleiter Wolf-Dieter Dey wies darauf hin, dass seit 6.000 Jahren Keramik hergestellt wird. Sie wurde in großen Mengen gebrannt und es gab entsprechend viel keramischen Abfall. Neben der nahezu unbegrenzten Haltbarkeit von gebrannter Keramik ist ihre in der Regel sehr genaue Datierbarkeit für die Archäologie von besonderer Bedeutung. Andere Fundobjekte können so aufgrund der anstehenden Keramik zeitlich recht genau eingeordnet werden.

In ganz Nordfriesland wurden nur 5 Maurische Krüge in Fayencetechnik mit Lüsterdekor gefunden. Sie stellen die einzigen Funde dieser Art im nordeuropäischen Raum dar. Sie wurden vermutlich in Malaga hergestellt. Der Nordstrander Krug weist mit der „Hand der Fatima“ ein altes Symbol des Volksglaubens aus Afrika auf. Sie soll vor dem „bösen Blick“ schützen. Der Islam hat das Symbol übernommen. Sie ist die einzige bildhafte Darstellung, die im Islam zugelassen ist. Ihre fünf Finger symbolisieren die fünf Grundregeln des Islam. Marcus Borowski von der Nordstrander Töpferei erklärte, welche Probleme bei der Erstellung der Replik des Kruges gelöst werden mussten und präsentierte dann die gelungene Arbeit.

Das Inselmuseum war bis 22:00 Uhr von fachkundigem Publikum besucht, nachdem die Auftaktveranstaltung ausverkauft war, wurde der lange Abend des Museums ein Erfolg.

Deichträumer

Deichträumer

Die Deichträumer aus Bredstedt machten danach aus dem Sitzungssaal der Kurverwaltung einen Konzertsaal. Sie verzauberten das Publikum mit handgemachter Musik von der Küste.

Samstag

Nordstrands bewegte Geschichte wurde am Nachmittag in zwei Vorträgen erläutert. Karl-Ludwig Petersen erzählte das Leben eines Nordstrander Arbeiters nach. In authentischen Bildern spannte er einen Bogen des ganzen 20ten Jahrhunderts. Zunächst war die Landwirtschaft Handarbeit, bis die ersten Dampfmaschinen nach Nordstrand kamen. Bis in die 60er Jahre wurden auf Nordstrand in großem Maßstab Ziegel hergestellt.

Karl-Ludwig Petersen

Karl-Ludwig Petersen

Robert Brauer beschäftige sich mit der Bedeichung von Nordstrand nach der Katastrophe von 1634. Erst im 20ten Jahrhundert wurden die letzten Köge errichtet. In der Zeit hatte Nordstrand vier unterschiedliche Häfen, von denen zwei noch betrieben werden.

 

Inge Lorenzen

Inge Lorenzen

Am Abend wechselte die Veranstaltung in den Halligblick. Inge Lorenzen sorgte gut gelaunt für musikalische Entspannung, bis zur Verleihung der Rungholtsiegel.

Die Preisträger waren in diesem Jahr Albert Panten, der für seine herausragende Arbeit als Heimatforscher viel für die Aufarbeitung der Geschichte Nordfrieslands im Mittelalter und der frühen Neuzeit getan hat. Laudator war Dr. Jürgen Newig. Karl-Ludwig Petersen wurde geehrt für seine genauen Chroniken über Nordstrand. Sie beinhalten die Historie der Häuser und deren Bewohner. Er erstellt darüber hinaus Stammbäume in Bücherform, z.B. der Nordstrander Familien. Die Laudatio hielt Wolf-Dieter Dey.

Preisträger

Preisträger

Dann hielt Bürgermeister Werner Peter Paulsen die Laudatio auf Robert Brauer. Er hat die Rungholtforschung der letzten Jahrzehnte durch seine Arbeit als Halligwart auf Südfall am Leben gehalten. Er hat die Rungholtgesellschaft gegründet und organisiert seit 8 Jahren die Rungholttage, die sich einen hervorragenden Ruf erarbeitet haben.

Albert Panten hielt dann die Gäste in dem bis zum letzten Platz gefüllten Halligblick in Atem. Kenntnisreich wie kein Zweiter erläuterte er den zuweilen laschen Umgang mit den Quellen, die den überlieferten Kartendarstellungen von Rungholt zugrunde liegen. Der „Catalogus vestustus“ ab 1305 und der „Brunsche Katalog“ sind die Grundlage der Liste aller Kirchspiele. Johannes Meyer und die anderen Kartenmacher und Chronisten des 17. Jahrhunderts benutzten allerdings nicht die Originalquellen, sondern schrieben in der Sekundärliteratur ihrer Zeit ab. Die strotzten so von Schreibfehlern, dass vielfach identische Orte dank unterschiedlicher Schreibweise zu mehreren Orten wurden und deshalb mehrfach in den Karten auftauchen. Darüber hinaus wurde übersehen, dass unter bestehenden Kögen, alte Köge lagen.

 

Albert Panten

Albert Panten

Er konnte die erste Fassung der Rungholtsage präsentieren in der es hieß, dass 4 Jungfrauen auf der Kirchmesse beim Strand gewesen seien und deshalb die Flut im Jahr 1.200n. Chr überlebt hätten. Die Sage nannte er ein zusammengeklaubtes Gerücht und mahnte zum sorgfältigen Umgang mit den Quellen. Sonst würde man sich nur an einer Neudichtung der Rungholtsage beteiligen.

Sonntag

Der Exkursionstag lief etwas anders ab, als sonst. Nach der Ankunft auf der Hallig machte zunächst Halligwirt August Glienke eine unterhaltsame Führung. 20 bis 25 mal im Jahr wird die Hallig überflutet, Landunter genannt. Vor wenigen Wochen vernichtete ein ungewöhnlich heftiger Sommersturm die gesamte diesjährige Vogelbrut. Danach wurde der Sturmflutfilm präsentiert. Anschließend saß man gemütlich beim Grillen zusammen.

 

Robert Brauer

Robert Brauer

Der überwiegende Teil der Gäste ging dann mit Robert Brauer zu den Kulturspuren von Rorbek, einer versunkenen Ortschaft der Insel Strand. Zahlreiche Brunnen und der Rest eines Deiches boten sich den staunenden Augen der Besucher dar. Alles befand sich in einem guten Erhaltenszustand. Das Rundfunkteam des NDR hatte jedenfalls zahlreiche Fragen an den langjährigen Halligwart Brauer. Der Vorsitzende des HGV Jürgen Pöthau war zufrieden: „Solche Kulturspuren sehe ich das erste Mal und es hat mich tief beeindruckt. Die Rungholttage waren ein voller Erfolg.“

Am Abend veranstaltete die Schutzstation Wattenmeer die Fakelwanderung. Laurin Oberneder brachte den Mythos Rungholt mit lyrischen Texten zur Geltung. Der schöne Sommerabend tat das seinige, für einen stimmungsvollen Abschied der Rungholttage.

Fakelwanderung

Fakelwanderung

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