Artikel in der 200. Ausgabe der Nordfriesland

Rungholttage sind eine Erfindung der Pellwormer, die sich seit 1995 bis heute, von Silke Domeyer organisiert, einmal jährlich treffen. Das mag daran liegen, dass sich die Hallig Südfall, um die herum Andreas Busch am 16. Mai 1921, einem Pfingstsonntag, Rungholt entdeckte, heute zum Verwaltungsbezirk der Insel gehört.
Auf Nordstrand hatte es bereits zwei Vorläuferveranstaltungen gegeben, als im Jahr 2008 die ersten Rungholttage stattfanden. Der langjährige Halligwart von Südfall, Robert Brauer, suchte sich Unterstützung vom Handels-, Gewerbe- und Vermieterverein Nordstrand e.V., der seitdem Veranstalter ist. Der erst 1997 gegründete Nordstrander Heimatverein e.V. beteiligte sich mit dem Inselmuseum praktisch von Beginn an. Aus dem Organisationsteam entwickelte sich die Rungholtgesellschaft, die bis heute ein Zusammenschluss von am Thema Interessierter ist und die die personelle Infrastruktur für die Veranstaltung stellt.

Die Veranstaltung sollte von Anfang an ein Bindeglied sein, der durch die Sturmfluten getrennten Teile der Uthlande. Es ist ein bewusst gewähltes Symbol, das die sonntäglichen Exkursionen bisher 4 mal nach Pellworm geführt haben und 3 mal nach Lüttmoor. Zusammen mit Nordstrand bildeten sie die Insel Alt-Nordtsrand. Wenn das Wetter mitgespielt hätte, wäre man 3 mal auf dem namensgebenden Rungholt gewesen, so hat es nur für zwei spektakuläre Besuche gereicht. Diese waren immer mit Ausbooten verbunden, einmal mit dem historischen Pfahlever Ronja und einmal mit der Adler V.

Die Rungholttage waren immer eine Fachveranstaltung, die sich an interessierte Laien und Experten richtet. Freitag und Samstag sind daher Fachvorträgen vorbehalten.

Es gibt Persönlichkeiten, die die Rungholttage geprägt haben. Dazu gehören Albert Panten, Dr. Dirk Meier und der 2015 verstorbene Prof. Dr. Jürgen Newig. Letzter hat früh verstanden, dass Rungholt ein Synonym für mehr ist. Für Küstenschutz, für Klimaveränderungen, für Nationalpark, für Kulturspuren in ganz Nordfriesland, für Forschung, für museale Aufarbeitung, für Öffentlichkeit und nicht zuletzt für Tourismus und die damit zusammenhängenden wirtschaftlichen Aspekte. Er gehörte deshalb zu den ersten Preisträgern, des 2012 zum ersten Mal verliehenen „Siegels von Rungholt“. Auf seine Initiative hin hat im Jahr 2016 im Nordfriesische Museum – Nissenhaus Husum die spektakuläre Rungholtausstellung stattgefunden. Im gleichen Jahr haben die Universitäten Kiel und Mainz ein dreijähriges Forschungsprojekt im Rungholtwatt begonnen, das er mit beantragt hat.

Besondere Momente hatten die Rungholttage, als sie den historischen Rungholtforschern ihre Referenz erwiesen. Andreas Busch wurde durch seinen Enkel Drees Busch 2009 und 2012 vertreten, Rudolf Muuss 2014 durch seinen Sohn Harro Muuss und der Nestor der Rungholtforschung Dr. Hans-Herbert Henningsen war 2008 beim Start dabei und bekam ebenfalls 2012 den Rungholtpreis. Es war berührend, über 90 Jahre Rungholtforschung so nahe zu kommen.

In der Rungholtarbeit steht ein Generationenwechsel an. Es steht außer Frage, dass Rungholt zukünftige Generationen in seinen Bann ziehen wird. Umso wichtiger ist ein Wissens- und Aufgabentransfer. Deshalb hat 2017 auf den 10ten Rungholttagen zum ersten Mal eine Konferenz stattgefunden, an der alle am Thema Aktiven teilnahmen. Die Konferenz brachte den Respekt und die Fachlichkeit zum Ausdruck, die sich die Rungholttage erarbeitet haben und die ihnen entgegengebracht wird.

Da das Thema zum Fabulieren einlädt, war das Niveau zu halten für die Organisatoren nicht immer einfach. Ausdruck fand das Mythische durch kulturelle Akzente. Die abendlichen Lesungen von Monsignore Peter Schmidt-Eppendorf, des Schauspielers Hans-Peter Bögel und der Auftritt des Chores MGV Harmonie in der alten Kirche auf Pellworm schufen einmalige Momente.

Es sprengt den Rahmen dieses Artikels, alle Beteiligten in den letzten 10 Jahren angemessen zu würdigen. Die beteiligten Ämter, die ortsansässigen Reedereien, die Gastronomie und die zahlreichen Fachreferenten haben die ehrenamtlich organisierte Veranstaltung immer mit großem Engagement unterstützt. Allen Beteiligten gebührt deshalb besonderer Dank. Durchaus zu Recht haben die Pellwormer den Begriff „Rungholtfamilie“ geprägt.

Am 16. Mai 2021 jährt sich die Entdeckung von Rungholt zum 100ten Mal. Ein Ereignis, das in Nordfriesland einer angemessenen Würdigung bedarf.

Zeitschrift Nordfriesland